Es gibt Bücher, die man liest – und es gibt Bücher, die einen verändern.
Die folgenden zehn Bücher haben mich auf meinem persönlichen Heilungsweg begleitet. Manche haben mir geholfen, meinen Körper besser zu verstehen, andere haben mir neue Sichtweisen auf Angst, Trauma und Heilung eröffnet. Nicht jedes Buch wird für jeden Menschen gleichermaßen passend sein, doch vielleicht ist genau eines dabei, das dir zur richtigen Zeit die richtigen Worte schenkt.
Hinweis: Die folgenden Bücher empfehle ich aus persönlicher Überzeugung und aufgrund meiner eigenen Erfahrungen. Dieser Beitrag enthält keine bezahlte Werbung.
1. Organisch – Julia Enders
Anfangs hatte ich eine Zeit, in der ich mich nicht so viel mit der Angst- und Paniksituation beschäftigen wollte, weil ich mich dadurch schnell überladen und getriggert fühlte. Trotzdem war ich sehr interessiert an den Abläufen, die mein Körper vollzieht, über die ich bis dahin höchstens oberflächlich informiert war.
*Organisch* war das erste Buch – es war gerade frisch erschienen –, bei dem ich mich getraut habe, alleine in die Buchhandlung zu fahren und es, anstatt es zu bestellen, mit zitternden Knien vor Ort zu kaufen. Es hat mir alles abverlangt, aber ich war unendlich stolz auf mich danach.
Julia Enders beschreibt wunderschön anschaulich und auch für absolute Laien verständlich, was für ein Meisterwerk unser Körper ist. Ich musste regelmäßig staunen. Durch dieses Buch habe ich gelernt, meinen Körper ein Stück mehr zu lieben, und konnte durch ihre Ausführungen anerkennen, was für ein Meisterwerk wir sind. Ich habe danach angefangen, meinen Körper als Geschenk anzuerkennen – was in einer Zeit, in der ich von Schwindel, Übelkeit und Angst überlagert war, als absoluter Erfolg zu werten ist.
Sie beschreibt passend für uns Angstmäuse, wie die Wundheilung des Körpers funktioniert, welche Organismen daran beteiligt sind, wie eine Schramme verheilt und was wir selbst dazu beitragen können. Daraus können wir viel ableiten, denn es geht nicht nur um körperliche Wunden, sondern auch um seelische.
Ein Meisterwerk, bei dem ich das Gefühl habe, dass während des Lesens dieses Buches mein eigentlicher Heilungsweg begann. Meine persönliche 10/10 – leicht und flüssig zu lesen, mit viel Witz und dabei auch noch unglaublich informativ.
Im gleichen Zuge möchte ich gerne ein weiteres Buch von Julia Enders erwähnen, das vor allem für meine Emetophobie- und Reizdarm-Mäuse wichtig sein könnte.
2. Darm mit Charme – Julia Enders
*Darm mit Charme* – ein Weltklasse-Buch, das noch vor dem oben genannten Buch *Organisch* erschienen ist – hat mir sehr geholfen, die Vorgänge in meinem Bauch besser zu verstehen und Situationen, in denen mir schlecht wurde oder ich Stressdurchfall hatte, besser einzuordnen.
Ich würde sogar fast behaupten, dass mir die Ausführungen von Julia Enders eine drohende Emetophobie erspart haben. Natürlich geht es in erster Linie um unseren Darm, doch es spielen so viele weitere Aspekte mit hinein, dass wir auch für einige unserer Symptome wertvolle Erkenntnisse daraus ableiten können.
Ich würde sogar sagen, dass dieses Buch zukünftig zur Schullektüre werden sollte – so wichtig finde ich seine Inhalte. Es geht selbstverständlich auch viel um Scham, denn der Darm und die damit verbundenen Körperfunktionen werden bis heute nicht sonderlich wertgeschätzt, ja teilweise sogar tabuisiert.
Mit Witz und viel Feingefühl erklärt Julia Enders hier, wie unser Körper Tag für Tag funktioniert.
3. Trotzdem Ja zum Leben sagen – Viktor E. Frankl
Eines der späteren Bücher, das meinen Heilungsweg ebenfalls nachhaltig unterstützt hat, ist *Trotzdem Ja zum Leben sagen* von Viktor E. Frankl. Er war Psychiater und überlebte mehrere Konzentrationslager. Seine Erfahrungen und Erkenntnisse hat er nach dem Krieg in diesem Buch festgehalten.
Ich glaube, dass ich aus diesem Buch so viel für mich mitnehmen konnte, weil es den Blick auf die eigenen Probleme erweitert und ein Stück weit relativiert.
Das Buch erinnert mich an eine sehr eindringliche Frage: „Wenn du alle deine Probleme in einen Hut werfen würdest und alle anderen Menschen das auch täten, und anschließend jeder einmal daraus ziehen müsste – würdest du dir nicht wünschen, am Ende wieder dein eigenes Problem zu ziehen?“
Versteht mich nicht falsch: Angst ist überwältigend, und es gab Momente in meinem Leben, in denen ich nicht wusste, wie lange ich das aushalten kann. Rückblickend würde ich mein eigenes Problem dennoch immer bevorzugen. Das ist selbstverständlich nur meine persönliche Wahrnehmung, doch dieses Buch hat meinen Blick geweitet und mein Herz geöffnet.
Ich habe das Buch gelesen, als ich bereits wieder etwas stabiler war, und möchte deshalb vorsichtshalber eine Triggerwarnung aussprechen. Es ist sehr anschaulich geschrieben und schildert offen, was Viktor E. Frankl als Jude während der Zeit des Nationalsozialismus in verschiedenen Konzentrationslagern widerfahren ist. Das Buch enthält sowohl berührende als auch erschütternde Passagen. Deshalb würde ich es niemandem empfehlen, der sich gerade in der Anfangsphase seiner Angstreise befindet und sich zunächst lieber mit positiven und stärkenden Inhalten beschäftigen sollte, die dem ohnehin belasteten Geist guttun.
4. Panikattacken und andere Angststörungen loswerden – Klaus Bernhardt
Eines der letzten Bücher, die ich gelesen habe. Im Nachhinein hat mich das fast ein bisschen geärgert, denn viele der Tipps und Methoden aus diesem Buch hätte ich gerne schon früher gekannt und angewendet.
Am Ende war das Buch mit unzähligen Post-its versehen und fast schon studiert, denn nach einiger Zeit stellte ich fest, dass viele der Methoden für mich tatsächlich funktionieren. Es wird viel mit visuellen Reizen gearbeitet, was für einen kreativen Menschen wie mich besonders gut passt.
Von vielen Ansätzen hatte ich zuvor noch nie gehört, obwohl ich mich mittlerweile schon als ziemlich belesen empfand und bereits einige Zeit in diesem Thema unterwegs war.
Ich persönlich glaube, dass man bereits einen gewissen Heilungsprozess durchlaufen haben sollte, bevor man dieses Buch liest. Wenn ich mich an die ersten drei Monate erinnere, in denen mich wirklich alles getriggert hat, hätte mir die intensive Beschäftigung mit der Angst vermutlich eher geschadet. Hat man jedoch irgendwann ein kleines Stück Stabilität zurückgewonnen, ist es meines Erachtens ein sehr wertvolles Buch, das sich angenehm lesen lässt und aus dem sicherlich jeder etwas für sich mitnehmen kann.
Ich kann heute zufrieden sagen, dass ich einige seiner Methoden noch immer anwende, wenn ich in stressige Phasen gerate oder merke, dass mich etwas verängstigt.
5. Leben ohne Angst – Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer
*Leben ohne Angst* von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer war mir irgendwie sofort sympathisch. Ich hatte ihn zuvor zum ersten Mal in einem Podcast gesehen, und der Name Grönemeyer war für mich ohnehin schon positiv besetzt, da meine Mutter seinen Bruder Herbert Grönemeyer in meiner Kindheit rauf und runter gehört hat.
Er beschreibt anschaulich, wie allgegenwärtig Angst in unserer Gesellschaft eigentlich ist, und gibt ebenfalls einige hilfreiche Denkanstöße und Kniffe mit an die Hand, wie wir besser damit umgehen können. Zwar richtet sich das Buch nicht ausschließlich an Menschen mit einer Angststörung, doch danach hatte ich ein Stück weit weniger das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben oder selbst vollumfänglich schuld an meiner Situation zu sein.
Denn er hat recht, wenn er davon spricht, dass wirtschaftliche Unsicherheit, Kriege, ständiger Stress sowie Sorgen um die Gesundheit und die Zukunft belastend, zermürbend und kräftezehrend sind. Wenn wir bedenken, wie oft wir – häufig ganz unbewusst – mit diesen Themen konfrontiert werden, erscheint mir dieses Buch wie eine wunderbare Zusammenfassung unserer heutigen Zeit.
Außerdem schildert er als Mediziner auch persönliche Berührungspunkte mit Angst und Trauma. Das hat mich an der einen oder anderen Stelle so berührt, dass ich – für mich eher ungewöhnlich – ein paar Tränchen verdrückt habe.
Für mich war dieses Buch genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
6. Was wir sind und was wir sein könnten – Gerald Hüther
Irgendwann auf meiner Angstjourney bin ich – wie wahrscheinlich viele andere auch – auf mein Gehirn aufmerksam geworden. Da lag es nahe, irgendwann auf einen der bekanntesten deutschen Neurobiologen zu stoßen. Ich glaube, ich habe Gerald Hüther ebenfalls in einem Podcast entdeckt, und seine Ausführungen über die Plastizität, also die Veränderbarkeit unseres Gehirns, haben mich sofort begeistert.
Denn wenn Angstpatienten sich eines wünschen, dann ist es unweigerlich Ruhe im Kopf – und im gleichen Zug am besten auch eine „Neukodierung“ unserer Angstzentrale.
Zwischendurch wird es etwas fachlicher, doch genau das habe ich mir auch gewünscht, denn ich befand mich zu dieser Zeit in einer Phase, in der ich hungrig nach Wissen war.
Er schreibt: „Begeisterung ist Dünger fürs Gehirn.“ Außerdem geht er in seinem Buch auf Themen wie Burnout, Depression und Demenz ein.
Für mich war es ein wirklich mutmachendes Buch, das mir sehr gutgetan hat.
7. Immunsystem neu gedacht – Dr. Dr. Christian Schubert
Dr. Dr. Christian Schubert beschreibt in seinem Buch *Immunsystem neu gedacht* das noch relativ junge Forschungsfeld der Psychoneuroimmunologie. Diesem Thema bin ich während meiner Ausbildung zur Expertin für ganzheitliche mentale Gesundheit begegnet – zufälligerweise genau zu der Zeit, als ich selbst mitten in meiner Angststörung steckte.
Ich war hellauf begeistert, denn das Immunsystem an sich ist für mich schon immer ein wahres Meisterwerk gewesen.
Hier wird es allerdings häufig sehr fachlich, und dafür braucht man als Laie – so wie ich damals einer war – zwischendurch wirklich viel Konzentration, um den Begrifflichkeiten folgen zu können. Trotzdem möchte ich dieses Buch hier nicht unerwähnt lassen, denn für mich ist es unerlässlich, die Verbindung zwischen Körper und Geist mit einzubeziehen.
Der Begriff *Sickness Behavior* sollte danach jedem ein Begriff sein. Auch warum wir bewusst oder unbewusst vielleicht einmal die Straßenseite wechseln und was das möglicherweise mit unserem Immunsystem zu tun hat, wird anschaulich erklärt.
Ich kann sagen, dass ich mich danach auf jeden Fall mit anderen Augen gesehen habe und ein Stück mehr Selbstliebe und Bewunderung für meinen Körper empfinden konnte – für einen Körper, der mich jeden Tag mit allem beschützt, was ihm zur Verfügung steht.
8. Das Psyche-Darm-Paradox – Dr. med. Matthias Riedl
*Das Psyche-Darm-Paradox* von Dr. med. Matthias Riedl ist ebenfalls eine wichtige Station auf meinem Heilungsweg gewesen. Wer sich mit psychischen Belastungen konfrontiert sieht, wird früher oder später kaum am Thema Darm und Ernährung vorbeikommen.
Meines Erachtens ist es eine Schande, dass diese Themen nicht schon in der Schule gelehrt werden. Denn jeder Mensch – ob erkrankt oder nicht – sollte sich darüber bewusst sein, welchen Einfluss seine täglichen Ernährungsentscheidungen haben.
Was haben Depressionen, Ängste und ADHS eigentlich mit unserer Ernährung zu tun? Dass wir mit fünf Tagen Fast Food, CurryKing und Unmengen an Zucker langfristig nicht gesund bleiben können, liegt vermutlich auf der Hand. Doch was können wir stattdessen tun, und welche positiven Effekte hat das?
Wie steht unser Vagusnerv damit in Verbindung? Und wie genau beeinflusst unsere Ernährung unsere Psyche?
All das und noch vieles mehr wird nach einer detaillierten Einleitung über die verschiedenen Stoffe und Vorgänge in unserem Körper verständlich aufgeschlüsselt. Und wir wissen ja: Womit wir uns intensiv beschäftigen, bildet neue Verknüpfungen in unserem Kopf. Wie wir diesen Prozess zusätzlich unterstützen können, wird übrigens ebenfalls mit Zahlen, Daten und Fakten untermauert.
Für mich ist dieses Wissen unverzichtbar, wenn man seinen Heilungsprozess positiv beeinflussen möchte.
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Wer bis hierhin gelesen hat, hat vermutlich schon gemerkt, dass mein Interessengebiet sehr auf dem Körper liegt – auf dem Verständnis von uns selbst und den Abläufen in unserem Körper, auf all den Wundern, die er jeden Tag vollbringt, ohne dass wir es überhaupt mitbekommen. Er ist für mich da und tut jeden Tag alles dafür, mich am Leben zu halten.
Die intensive Beschäftigung mit dem, was in mir passiert, hat mir ganz automatisch ein großes Stück Selbstliebe geschenkt – genährt von der Faszination, die ich heute für meinen Körper empfinde.
Doch unweigerlich stößt man bei den eigenen psychischen Herausforderungen irgendwann auch auf die Themen Trauma, inneres Kind und Bindungstypen.
Hierzu sind mir folgende Bücher besonders in Erinnerung geblieben:
9. Das Kind in dir muss Heimat finden – Stefanie Stahl
*Das Kind in dir muss Heimat finden* von Stefanie Stahl ist mittlerweile ein echter Klassiker und in nahezu jeder Buchhandlung zu finden. Dazu gibt es übrigens ein Workbook, das ich jedem ans Herz legen möchte, denn mich hat es persönlich sehr unterstützt, nicht nur das Buch zu lesen, sondern gleichzeitig auch aktiv mit den Inhalten zu arbeiten.
Wer neu auf diesem Gebiet ist, findet mit diesem Buch einen sanften Einstieg. Ich vermute außerdem, dass sich jeder von uns in dem einen oder anderen Abschnitt wiederfinden wird.
Es geht um unsere Bindungspersonen und die Schutzstrategien, die wir oft unbewusst entwickeln. Ein wichtiges Buch, das vielleicht dazu beiträgt, deine eigenen Verhaltensweisen ein kleines Stück besser zu verstehen – und dadurch etwas weniger hart mit dir selbst zu sein.
Gemeinsam macht sich die Erfolgsautorin mit uns auf die Suche nach dem Sonnenkind und würdigt gleichzeitig das Schattenkind in jedem von uns.
Ein kleiner Schritt in Richtung mehr Verständnis für uns selbst.
10. Trauma endlich überwinden – Dr. Aylin Thiel
Auf Dr. Aylin Thiel bin ich durch einen Podcast aufmerksam geworden, in dem sie sehr offen über ihre eigene traumatische Kindheit und das Verhältnis zu ihrer Mutter spricht. Das hat mich sehr beeindruckt, sodass ich mir daraufhin ihren Spiegel-Bestseller *Trauma endlich überwinden* gekauft habe.
Dieses Buch hat mir ebenfalls sehr viel gegeben, weil es mir an vielen Stellen aufgezeigt hat, wie sich mein persönliches Bindungstrauma im Alltag zeigt. Bereits zu Beginn greift sie das Thema Selbstvergebung auf und lädt ihre Leserinnen und Leser dazu ein, interaktiv mitzuarbeiten und verschiedene Fragen zu den jeweiligen Themenbereichen zu beantworten.
Außerdem geht sie auf körperliche Traumareaktionen ein und knüpft daran mit Kapiteln zur körperlichen Regulation an.
Alles in allem behandelt sie meines Erachtens genau die richtigen Themen – und das in einer sinnvollen Reihenfolge –, um sich selbst ein Stück besser verstehen zu können.
Eine klare Empfehlung!
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Jeder Heilungsweg ist individuell. Die hier vorgestellten Bücher haben mich persönlich in verschiedenen Phasen meiner Angst- und Traumaverarbeitung begleitet und unterstützt. Sie ersetzen weder eine ärztliche noch eine psychotherapeutische Behandlung, können diese jedoch – je nach individueller Situation – sinnvoll ergänzen.
Falls du dich aktuell in einer akuten Krise befindest oder bemerkst, dass dich bestimmte Inhalte überfordern, lege das Buch lieber zur Seite und sprich mit einer vertrauten Person oder deiner behandelnden Fachperson darüber. Heilung ist kein Wettlauf – manchmal ist das richtige Buch einfach nur zur falschen Zeit in unseren Händen.
Ich wünsche dir von Herzen, dass eines dieser Bücher dich genauso berührt, stärkt oder inspiriert, wie es bei mir der Fall war. ❤️



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